Klang und Schöpfung, Barbara RICHTER

Klang und Schöpfung spielen in allen Kulturen eine große Rolle, auch wenn die einzelnen Entstehungsgeschichten teilweise sehr unterschiedlich sind.

Im Nada Brahma, dem „göttlichen Klang“ aus dem Sanskrit finden sich viele Details zu den Themen Klang, Sound, Atem, Stimme und das Leben von Anbeginn der Schöpfung

Nach vedischem Verständnis geht die gesamte materielle Schöpfung aus dem Element „shabda“ hervor, das im deutschen so viel wie Klang/Schwingung bedeutet. Schwingung wird daher als noch grundlegender als der manifestierte Raum angesehen, der erst aus einer Kondensierung von Schwingungsprozessen hervorgeht. Schwingung wird als Wirkung der Zeit angesehen, die in der Manifestation von Ursachen-Wirkungs-Ketten in Erscheinung tritt. Durch die Wirkung der Zeit wird der ursprüngliche spannungsfreie und ausgeglichene Zustand des Schöpfungsfeldes (Urenergie, Quelle alles Seins, Gott) angeregt, so dass drei verschiedene Wirkungsformen in Erscheinung treten, die von diesem Punkt ausgehend, zeitlich periodisch um Vorherrschaft kämpfen bzw. schwingen. Alle materiellen, geistigen und feinstofflichen Objekte in dieser Welt werden darauf aufbauend als ein komplexes dynamisches Wechselspiel dieser drei Wirkungsweisen der materiellen Urschwingung betrachtet. Die drei ursprünglichen Wirkungsweisen werden als „erhaltendes Prinzip“, „schöpferisches Prinzip“ und auflösendes Prinzip bezeichnet. Aus den unzähligen Kombinationen und Permutationen dieser drei Wirkungsweisen entsteht die ganze Vielfalt der Schöpfung und findet letztlich in ihrem Gleichgewicht wieder ihre Auflösung.

Aus vedischer Sicht manifestiert sich der Urklang in Form einer einzigen Silbe, die in ihrer Einfachheit die Kraft der gesamten Schöpfung in sich trägt. Diese Silbe wird als „Pranava Omkara“, die Lebenskraft des Universums bezeichnet. Es ist das bekannte Mantra „AUM“ oder „OM“, der primaridial sound. AUM steht für die Dualität bzw. die Wirkung, A steht am Anfang, U in der Mitte und M ist das Ende, dem die Stille folgt. Dieses göttliche Mantra selbst kann man in 2 Silben zerlegen, die so viel bedeuten wie „MAN“: Mensch, Geist Denken und „TRA“ Schutz, Zuflucht, Befreiung. Doch kann nicht irgendein Klang oder eine beliebige ersonnene Klangfolge als Mantra bezeichnet werden, sondern nur der Klang, der mit der ursprünglichen Schöpfungsschwingung in Resonanz steht. Mantras sind Klangschwingungen, die uns, gedacht, rezitiert oder gesungen mit einer höheren Wirklichkeit verbinden. Praktisch bedeutet das, dass das Tönen des AUMs in unserem Bewusstsein den kosmischen Schöpfungsklang in uns zum Schwingen bringen kann. Den Zustand der Stille danach kann man sich als reines Selbst darstellen. Die innere Welt unseres Geistes und die äußere materielle Wirklichkeit sind daher vom Wesen her eins und bestehen aus Schwingung. Die Veden beschreiben, dass im inneren des Herzens ein feinstofflicher Resonanzraum existiert, in dem dieser Schöpfungsklang anklingt, wenn das Herz oder der Geist von allen Arten materieller Klangschwingung frei ist.

Gemeinsam ist dem alten vedischen Wissen und modernen Forschungsbereichen, dass jede Art von Klang Schwingung ist, und alles was schwingt dabei einen Klang erzeugt, ob er für das menschliche Auge hörbar ist oder nicht. Das ganze Universum ist ein Ozean aus Klängen, Planeten, Berge, Wälder, Menschen Flora und Fauna, alles hat eine bestimmte Schwingung. Wir sind ständig davon umgeben und befinden uns damit, je nach den harmonischen oder disharmonischen Klängen in Harmonie oder Disharmonie. Der Mensch selbst, die Person, von „per sonare“ heißt aus dem lateinischen übersetzt: „wie man klingt“. Im natürlichen und ursprünglichen Zustand ist ein Mensch in seiner emotionalen, geistigen und seelischen Befindlichkeit ausgeglichen, glücklich und zufrieden. Erst durch die Konditionierungen durch Erziehung, Gesellschaftsstrukturen und sonstige Prägungen entfernt er sich immer mehr aus seiner Mitte. Blockaden stellen sich ein und seine harmonische Ausgeglichenheit wird blockiert. Daraus ergeben sich Unstimmigkeiten, Unzufriedenheit, Stress, Nervosität, etc., die uns anfällig für Krankheiten und Störungen macht.

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