Ragas und ihre Wirkung, Barbara Richter

Grundsätzlich nimmt die Grundtonübung einen hohen Stellenwert hinsichtlich der eigenen psychohygienischen Prophylaxe ein und wirkt mitunter auch schon spezifisch auf seelische und körperliche Probleme.

Will man allerdings gezielt auf symptombezogene Reaktionen zugehen, gibt es hierzu verschiedenste Möglichkeiten. Man kann z.B. individuell passende Melodiefloskeln für den einzelnen Klienten komponieren. Dies geschieht auf der Basis derjenigen Töne, die zum individuellen Grundton und den emotionalen und/oder körperlichen Symptom in direkter Verbindung stehen und somit diese Zonen und Punkte berühren und Reaktionen ermöglichen.

Dazu wird z.B. diese Tonfolge zusammen mit dem Klienten getönt und wird, zumindest bei Vemu Mukunda, mit einem Zupfinstrument begleitet (dieses setzt den energetischen Impuls). Dabei sollten die Stimmungen des Klienten genau beobachtet werden um auf mögliche Stimmungsumschwünge sofort mit veränderten, passenden Ragas reagieren zu können.

Wenn Klienten nicht in der Lage sind, diese speziellen Melodien bzw. Tonfolgen mitzusingen, können sie diese auch mit geschlossenen Augen tief in sich aufnehmen und erfühlen. Diese Melodien könnten auch unterschiedlich rhythmisiert oder stimmlich artikuliert werden, dabei entstehen immer wieder neue Atemmuster, die unterschiedlich wirken und Vieles aktivieren können. Man kann auch aus den vorgegebenen Tönen Improvisationen gestalten, wobei der Klient entweder mitsingt oder zuhört und ins Erleben geführt wird. Danach wird wieder aktiv Mitgetönt. Schließlich können ebenfalls bekannte Melodien, wenn sie von der Struktur her für das Problem des Klienten geeignet sind, herangezogen werden. Der Grundton und die eigene Stimme des Klienten sind jedoch immer der Ausgangs- bzw. Mittelpunkt jedes „Tönens“.

Vemu Mukunda arbeitete hauptsächlich mit Raga-Improvisationen, die die Quelle des NadaBrahma Systems darstellten.

3 Beispiele für Ragas mit der jeweiligen Tonleiter:

1. Raga Dhirashankara Bharana (=G-Dur-Tonleiter), wirkt auflösend, umwandelnd, festhaltend, tragend.

2. Raga Mayamalavagaula (=Zigeunertonleiter), hilft dabei, die Aufgaben des Alltags mit innerer Hingabe und inneren Frieden im Erkennen des Wesentlichen zu erfüllen; durch die weiten und engen Tonintervalle in Abfolge entsteht abwechselnd das Gefühl von Spannung und Entspannung, was schließlich zu Gelassenheit und Ausgeglichenheit führen soll.

3. Raga Kara Hara Priya (Dorische Skala), hier geht es um weibliche Kraft und Energie.

Diese Ragas unterscheiden sich durch die unterschiedliche Lage der Halbtonschritte und bewirken damit mittels kunstvoller improvisatorischer Verarbeitung der Tonskalen, dass sie zu klingenden Emotionen werden. Die Namen der Ragas verweisen symbolhaft auf die innere Haltung, die beim Zuhörer ausgelöst werden kann.

Ragas können bei körperlichen und seelischen Ungleichgewicht eingesetzt werden. Organisch-symptombezogen können die Übungen für die Augen, Ohren Verdauung, Bronchitis Appetitanregung, etc. eingesetzt werden. Bei seelisch-geistigen Problemen ist die Stärkung des Selbstbewusstseins, Erleichterungen bei Depressionen, Lösung von Ängsten, Begleitung während des Schwangerschaft, etc. zu nennen. Natürlich steht alles miteinander auch in Wechselwirkung.

Keinesfalls sollte vergessen werden, dass das Tönen der Ragas oder sonstige Übungen unterstützend zu medizinischen Maßnahmen zu betrachten sind und keinesfalls einen Arzt ersetzen kann. Ziel ist immer eine energetische Harmonisierung körperlicher und seelischer Art bei gleichzeitiger Aktivierung des Selbstkorrektursystems des Menschen. Dadurch wird Gesundheit gefördert und erhalten.

Bei genauer Beobachtung und Erfahrung kann der erfahrende Stimmanalytiker beim Tönen des Glissandos auf „OM“ eine Veränderung/Abschwächung der Stimme an bestimmten Körperpunkten erkennen. Wenn dies z.B. am spirituellen Herzen bemerkt wird und der Klient z.B. ein geschwächtes Selbstbewusstsein aufweist, kann dies durch zusätzliche Übungen zu diesem Thema unterstützt werden. Der entsprechende Ton und Silbe kann hier wiederholt werden, um den speziellen Punkt besonders anzusprechen.

Dazu zählt z.B. die „Mohana-Tonskala, die aus SA, RI, A, PA, DHA, SA besteht, und nur aufwärts gesungen wird, wobei der Ton mit der Silbe „DHA“, was der Selbstbewusstseinsposition entspricht, mehrmals wiederholt wird hier verstärkt zu wirken.

Auf diese Weise kann immer vorgegangen werden, d.h es wird eine entsprechende Ton-Skala gewählt, die der jeweiligen Disposition zugeordnet ist und gemeinsam mit dem Klienten getönt. Erwähnenswert ist, dass während der Übungen durch die gespielten oder gesungenen Ragas emotionale Reaktionen beim Klienten ausgelöst werden können, die der besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Dieser darf mit all seinen Emotionen nicht allein gelassen werden und sollte solange musikalisch begleitet werden, bis wieder Trost, Transformation und Auflösung eingetreten sind.

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